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PneumologiekomplexKlinischer Text
Klinikum am Stadtwald Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin Chefarzt: Dr. med. T. Berghaus Entlassungsbericht Patient: Hans-Joachim Müller Geburtsdatum: 14.05.1951 Anschrift: Birkenweg 12, 45133 Essen Station: 4B Aufnahmedatum: 10.05.2024 Entlassungsdatum: 22.05.2024 Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege, wir berichten über den oben genannten Patienten, der sich vom 10.05. bis 22.05.2024 in unserer stationären Behandlung befand. Diagnosen: 1. Akute Exazerbation einer COPD GOLD IV (FEV1 28% d.S.), Gruppe E bei vorbekanntem Lungenemphysem (55 py). 2. Community-acquired Pneumonia (CAP) des rechten Unterlappens (CRB-65 Score: 2 bei Aufnahme). 3. Akute respiratorische Insuffizienz (Typ-2), initial bedingt durch Hyperkapnie (pCO2 58 mmHg). 4. Chronische Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF, LVEF 32%) bei bekannter ischämischer Kardiopathie. 5. Persistierendes Vorhofflimmern, CHA2DS2-VASc: 5 (Alter, Hypertonie, Herzinsuffizienz, Diabetes). 6. Verdacht auf paraneoplastisches Syndrom bei isolierter CEA-Erhöhung (7,8 ng/ml) ohne radiologisches Korrelat. 7. Akutes Delirium (hyperaktiv), im Verlauf unter medikamentöser Therapie (Melperon) rückläufig. 8. Diabetes mellitus Typ 2, aktuell mäßig eingestellt (HbA1c 7,9%). Anamnese: Die stationäre Aufnahme des 73-jährigen Patienten erfolgte über die Notaufnahme aufgrund einer seit drei Tagen zunehmenden Belastungsdyspnoe, produktivem Husten mit gelblich-grünem Sputum sowie rezidivierenden Fieberschüben bis 38,9°C. Der Patient berichtete zudem über eine allgemeine Schwäche und eine reduzierte Belastbarkeit (NYHA IV). Vorbekannt ist eine schwere COPD GOLD IV, die zuletzt mit einer dualen Bronchodilatation therapiert wurde. Eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LOT) bestand bisher nicht. Aufnahmebefund: Reduzierter Allgemeinzustand, adipöser Ernährungszustand (BMI 31 kg/m²). Somnolent, aber ansprechbar. Haut kolorit zyanotisch, diskrete periphere Ödeme der Unterschenkel. RR 155/95 mmHg, Herzfrequenz 108 bpm, arrhythmisch. Atemfrequenz 24/min, SpO2 84% unter Raumluft. Auskultatorisch beidseits abgeschwächtes Atemgeräusch, rechts basal Rasselgeräusche und exspiratorisches Giemen. Diagnostik: Labor: CRP 156 mg/l (Ref. <5), Leukozyten 14.800/µl, PCT 2,4 ng/ml, Kreatinin 1,42 mg/dl (eGFR 52 ml/min), NT-proBNP 5.100 pg/ml. BGA (Raumluft): pH 7,31, pCO2 58 mmHg, pO2 51 mmHg, HCO3 28 mmol/l (respiratorische Azidose). Tumormarker: CEA 7,8 ng/ml (Ref. <3,8), NSE und CYFRA 21-1 im Normbereich. Radiologie: CT-Thorax (11.05.): Ausgeprägtes zentrilobuläres Emphysem, Nachweis eines flächigen Infiltrats im rechten Unterlappen. Kein Nachweis einer Lungenarterienembolie. Keine hilären Lymphadenopathien, kein Hinweis auf eine bronchiale Raumforderung. Echokardiographie: LVEF 32%, dilatierter linker Ventrikel, geringgradige Mitralinsuffizienz, systolischer Pulmonalarteriendruck (sPAP) 45 mmHg + ZVD. Therapie und Verlauf: Initial erfolgte eine kalkulierte intravenöse Antibiose mit Piperacillin/Tazobactam 4,5g 1-1-1. Aufgrund der respiratorischen Globalinsuffizienz war eine intermittierende nicht-invasive Ventilation (NIV) über 48 Stunden erforderlich, worunter sich die Hyperkapnie stabilisierte (pCO2 zuletzt 43 mmHg). Begleitend führten wir eine systemische Steroidtherapie (Prednisolon 40 mg i.v., später p.o.) und eine intensivierte Inhalationstherapie durch. Am dritten stationären Tag kam es zu einer klinischen Verschlechterung mit erneutem Fieberanstieg und steigenden Entzündungsparametern (CRP 190 mg/l). In der Sputumkultur zeigten sich gramnegative Stäbchen (Pseudomonas aeruginosa, Sensibilität steht noch aus). Wir eskalierten die Antibiose auf Meropenem 1g 1-1-1 i.v. Darunter kam es zur langsamen Entfieberung und klinischen Stabilisierung. Am 14.05. entwickelte der Patient ein hyperaktives Delir mit Agitiertheit und Desorientierung. Eine CT-Cerebrum schloss eine intrakranielle Blutung aus. Wir leiteten eine Therapie mit Melperon (25 mg zur Nacht) ein, worunter das Delir binnen 72 Stunden sistierte. Zur Entlastung der kardialen Situation wurde die Diurese mit Furosemid intensiviert (Gewichtsverlust 4 kg). Aufgrund des erhöhten CEA-Wertes bei negativem CT-Thorax diskutierten wir den Befund interdisziplinär. Ein PET-CT wurde erwogen, aufgrund der aktuellen Infektsituation jedoch auf den ambulanten Bereich vertagt. Ein paraneoplastisches Geschehen (insb. GI-Trakt oder Urogenital) bleibt differenzialdiagnostisch offen. Medikation bei Entlassung: 1. Trelegy Ellipta (Fluticason/Umeclidinium/Vilanterol) 92/55/22 µg: 1-0-0 2. Salbutamol DA: bei Bedarf (max. 4x täglich) 3. Prednisolon 20 mg: 1-0-0 (Ausschleichschema: alle 3 Tage Reduktion um 5 mg bis Ende) 4. Meropenem 1g i.v.: beendet am 21.05. (Umstellung auf Ciprofloxacin 500 mg 1-0-1 p.o. für weitere 3 Tage) 5. Apixaban 5 mg: 1-0-1 (wegen Vorhofflimmern) 6. Ramipril 2,5 mg: 1-0-1 7. Bisoprolol 2,5 mg: 1-0-0 8. Furosemid 40 mg: 1-0-0 9. Metformin 500 mg: 1-0-1 10. Melperon 25 mg: 0-0-0-1 (bei Unruhe) Empfehlungen / Procedere: - Körperliche Schonung für weitere 2 Wochen. - Abschluss der oralen Antibiose mit Ciprofloxacin bis zum 25.05.2024. - Ambulante pneumologische Kontrolle inkl. Bodyplethysmographie und Diffusionskapazität in 6 Wochen. - Kardiologische Verlaufskontrolle zur Evaluation einer Umstellung der Herzinsuffizienzmedikation (z.B. ARNI/Entresto) nach Stabilisierung der Nierenfunktion. - Dringende Durchführung einer Koloskopie und Abdomensonographie zur weiteren Abklärung des erhöhten CEA-Wertes (Termin innerhalb der nächsten 4 Wochen empfohlen). - Fortführung der LOT (Sauerstofflangzeittherapie) aktuell nicht indiziert, da SpO2 stabil bei 92% unter 2L/min (Bedarf nur bei Belastung). Offene Fragen: Zum Entlasszeitpunkt steht die finale Resistenzprüfung der Sputumkultur vom 14.05. noch aus. Wir bitten um Beachtung eventueller Nachberichte. Die Genese der CEA-Erhöhung ist unklar; ein maligner Prozess ist trotz unauffälliger Thorax-Bildgebung nicht ausgeschlossen. Wir danken für die kollegiale Zusammenarbeit. Mit freundlichen Grüßen, Dr. med. L. Schmidt Oberarzt der Pneumologie
Ground Truth
Hauptdiagnose
Akut exazerbierte COPD GOLD IV (Gruppe E) mit einer rechtsseitigen Unterlappenpneumonie und begleitender respiratorischer Globalinsuffizienz.
Therapie
Eskalierte intravenöse Antibiose mit Meropenem (1g 1-1-1) nach Therapieversagen von Piperacillin/Tazobactam, vorübergehende nicht-invasive Ventilation (NIV) sowie Umstellung der inhalativen Therapie auf die Fixkombination Trelegy Ellipta.
Procedere
Ambulante Durchführung einer Koloskopie zur Abklärung der CEA-Erhöhung innerhalb von 4 Wochen sowie pneumologische Lungenfunktionskontrolle in 6 Wochen.
Offene Fragen
Die Ursache des erhöhten Tumormarkers CEA (7,8 ng/ml) ist bei negativem CT-Thorax unklar; zudem steht das finale Antibiogramm der Sputumkultur (Pseudomonas-Nachweis) noch aus.